Medizin - Artikel - Herzteam Dortmund am St.-Johannes-Hospital

Bluthochdruck - die stille Gefahr

Fragen an Prof. Dr. Helge Möllmann zu Vorbeugung, Entstehung und Behandlung der Volkskrankheit

Die Gefahr kommt langsam. Bluthochdruck entsteht schleichend – meist, ohne dass die Betroffenen etwas davon merken. Rund 20 bis 30 Mio. Menschen sind allein in Deutschland betroffen. Das ist jeder dritte Bürger. Die Volkskrankheit gilt als eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, dem Bluthochdruck (Hypertonie) vorzubeugen oder gegen die bereits bestehende Erkrankung etwas zu tun. Prof. Dr. Helge Möllmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I/Kardiologie am St.-Johannes-Hospital und einer der beiden Leiter des Herzteams Dortmund, erklärt, warum es gerade bei diesem Krankheitsbild so wichtig ist, den Menschen als Ganzes mit seinem individuellen Lebensstil im Blick zu haben.

Was genau ist Bluthochdruck?

Als Bluthochdruck oder Hypertonie wird der erhöhte Druck in den arteriellen Blutgefäßen bezeichnet. Die Höhe des Blutdrucks hängt von der Pumpleistung des Herzens und dem Durchmesser der Gefäße ab. Bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung steigt der Blutdruck an, in Ruhe sinkt er wieder ab. Das ist in bestimmten Grenzen völlig normal. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck muss dagegen unbedingt behandelt werden, denn er ist höchst gefährlich. Studien gehen davon aus, dass allein in Deutschland rund 150.000 Todesfälle pro Jahr auf die Folgen der Erkrankung zurückzuführen sind. Dazu gehören zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber auch Nierenversagen.

Wo liegen die Gründe für einen erhöhten Blutdruck?

Bei rund 90 Prozent der Patienten gibt es keine organische Ursache. In ihrem Fall wird von der primären Hypertonie gesprochen, die neben einer eventuell genetischen Vorbelastung vor allem auf unsere Lebensweise zurückzuführen ist. Das bedeutet: mangelnde Bewegung, ungesundes Essverhalten, Übergewicht, zu viel Alkohol sowie Stress – alles Faktoren, die mit unserem Alltag und unserem Konsumverhalten zusammenhängen. Obwohl es Bluthochdruck sicherlich schon immer gegeben hat, waren noch nie so viele Menschen von der Erkrankung betroffen wie heute. Die Zahlen steigen weiter.

Wie können wir uns vor Bluthochdruck schützen?

Indem wir die Risikofaktoren minimieren, uns also mehr bewegen, ausgewogen und salzarm essen, Gewicht abbauen und uns um Stressreduktion bemühen bzw. lernen, mit den Belastungen des Alltags entspannter umzugehen. Bemerkenswert ist, dass auch der bereits an Bluthochdruck Erkrankte mit Verhaltensänderungen aktiv zur Senkung seiner Werte beitragen kann. Aus diesem Grund ist es in bestimmten Fällen möglich, ohne Medikamente zu behandeln.

Welche Rolle spielt das Rauchen beim Bluthochdruck?

Den Zigarettenkonsum sollte man unbedingt aufgeben. Denn Nikotin regt die Ausschüttung von Stresshormonen an, ebenso wie zum Beispiel Ärger oder Aufregung. Die Folge: Das Herz schlägt schneller, die Gefäße verengen sich, der Druck, mit dem das Blut durch unsere Adern fließt, steigt. Außerdem wird durch die Schadstoffe die Innenhaut der Blutgefäße geschädigt. Es entstehen Ablagerungen (Arteriosklerose), die die Gefäße weiter verengen.

Woran merke ich, dass ich Bluthochdruck habe?

Das Tückische an dieser Krankheit ist, dass man sie lange nicht bemerkt, aber von Anfang an Schäden entstehen. Sie bereitet keine Schmerzen. Symptome wie Herzrasen, Schwindel oder Kopfschmerzen treten in der Regel erst auf, wenn der Bluthochdruck schon weit fortgeschritten ist. Deshalb sollte bei Vorsorgeuntersuchungen immer auch der Blutdruck gemessen werden. Nutzen Sie
außerdem die Gelegenheit im Rahmen von Gesundheitstagen oder in den Apotheken. Sind die Werte auffällig, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er wird weitere Untersuchungen durchführen, zum Beispiel eine 24-Stunden-Messung, um die Diagnose exakt stellen zu können.

Wie funktioniert die Blutdruck-Messung?

Beim Messen des Blutdrucks wird zwischen dem systolischen und dem diastolischen Wert unterschieden, die für den Wechsel von An- und Entspannung des Herzens stehen. Jedes Mal, wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, wird das Blut stoßartig in die Hauptschlagader gepresst. Der dabei erreichte maximale Druck wird als oberer Blutwert oder auch systolischer Blutwert bezeichnet. Systole kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zusammenziehen. Danach entspannt sich die Herzkammer, der dabei erreichte niedrigste Druck wird als unterer Wert oder diastolischer Wert bezeichnet (Diastole = Ausdehnung). Die Messeinheit für den
Blutdruck ist mmHg. Diese Abkürzung steht für die Höhe in Millimetern, die eine Quecksilbersäule beim Messen anzeigt. Ein mmHg ist also der Druck, der die Quecksilbersäule einen Millimeter in die Höhe treibt. Ein Messwert von beispielsweise 140/90 mmHg (umgangssprachlich 140 zu 90) bedeutet, dass der systolische Blutdruck bei 140 und der diastolische bei 90 mmHg liegt.

Ab wann gilt der Blutdruck als erhöht?

Als optimalen Blutdruck bezeichnen Mediziner Werte von weniger als 120 mmHg systolisch und weniger als 80 mmHg diastolisch. Als normal gelten Werte 120 bis 129 systolisch und 80 bis 84 diastolisch. Von einer Hypertonie ersten Grades spricht man bei Werten von 140 bis 159 systolisch und 90 bis 99 diastolisch. Man muss sich das einmal bildlich vorstellen. Ein Blutdruck von 140 ist so stark wie der Druck, den eine 14 Zentimeter hohe Quecksilbersäule ausüben würde – und der lastet auf unseren Arterien. Da ist klar, dass es zu einem beschleunigten Verschleiß kommt. Wie schnell diese Schäden entstehen, hängt von der Höhe des Blutdrucks ab. Werte
über 180 oder 200 Millimetern Quecksilbersäule können innerhalb weniger Jahre verheerende Folgen haben.

Wie wird der Bluthochdruck behandelt?

Die Therapie hängt davon ab, wie ausgeprägt die Erkrankung ist und ob es weitere Risikofaktoren gibt. Auch verbergen sich hinter einem hohen Blutdruck manchmal andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Schlafapnoe oder eine Nierenerkrankung, die es zu behandeln gilt (sekundäre Hypertonie). Es muss für jeden Patienten individuell entschieden werden. Grundsätzlich kann man aber zu der primären Hypertonie, die die große Mehrheit der Fälle ausmacht, sagen: Handelt es sich um leichten oder mittelschweren Bluthochdruck, sollte man zunächst versuchen, durch eine Änderung der Lebensweise die Werte zu senken. Erst wenn das nicht gelingt, müssen Medikamente eingesetzt werden, um unbedenkliche Blutdruckwerte zu erreichen. Wird eine schwere Hypertonie festgestellt, geht es ohne die sofortige Einnahme von Medikamenten nicht, um Folgeschäden zu vermeiden. Aber auch dann sollte die Änderung des Lebensstils parallel erfolgen.

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