Medizin - Artikel - Herzteam Dortmund am St.-Johannes-Hospital

Diagnose Herzinfarkt: Es kommt auf jede Minute an

Bereitschaft rund um die Uhr: Stent-Implantationen retten Leben

An diesen Sommertag kann Martin M. sich noch gut erinnern. Endlich Urlaub und Zeit für den Garten. Dann beim Rasenmähen plötzlich der Schmerz im linken Arm. Ein komisches Gefühl im Kiefer, Schwindel, Übelkeit. „Halb so wild“, denkt der 66-Jährige erst. Doch dann ist da das unerträgliche Engegefühl in der Brust. Martin M. bekommt Panik, Schweißausbrüche. Ehefrau Judith ruft den Notarzt. Sieben Minuten später ist er vor Ort. Das EKG bestätigt den Verdacht: Herzinfarkt.

„Steht die Diagnose, kommt es auf jede Minute an“, betont Prof. Dr. Helge Möllmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I im St.-Johannes-Hospital und einer der beiden Leiter des Herzteams Dortmund. Er erklärt: „Verengte oder akut verschlossene Gefäße sind der Grund für einen Herzinfarkt. Ablagerungen in den Blutbahnen entstehen im Laufe der Zeit. Menschen, die rauchen, erhöhte Blutfettwerte haben oder unter Übergewicht leiden, sind besonders betroffen.“ Und: „Wenn ein Gerinnsel Teile der Herzkranzgefäße verschließt, geraten die nicht mehr mit Nährstoffen versorgten Herzmuskelzellen in eine Art Schockzustand. Nur wenn wir die Durchblutung rasch wiederherstellen, können sie sich erholen. Andernfalls sterben die Zellen ab, es entstehen Narben und damit lebenslange gefährliche Schädigungen des Herzens.“

Deshalb werden in Fällen wie bei Martin M. die Befunde vom Notarzt sofort von der Einsatzstelle aus ins JoHo übermittelt. Ein kardiologisches Team ist rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr einsatzbereit, um so schnell wie möglich handeln zu können. Der Patient wird ohne Zeitverzug direkt ins Katheterlabor gebracht. Dann spüren die Spezialisten an einem so genannten Linksherzkatheter-Messplatz die Engstelle auf und weiten sie, damit das Blut wieder ungehindert fließen kann. Um sicherzustellen, dass die Gefäße offenbleiben, wird zusätzlich ein Stent implantiert – eine Gefäßstütze, die mit dem Katheter zu der betreffenden Stelle im Herzen gebracht wird. Zunächst zusammengelegt, entfaltet sich das kleine Metallgitter mit Aufblasen eines Ballons. Nach dessen Ablassen bleibt der Stent als stabilisierendes Element an der geweiteten Aderwand zurück.

Weitgehend schmerzfrei
„Die Herzkatheter-Technik ist damit gleichermaßen ein Instrument der Diagnose und der Therapie“, so Prof. Möllmann. Über eine Einstichstelle am Handgelenk wird ein sehr dünner Plastikschlauch unter Röntgenkontrolle durch eine Schlagader in Richtung Herz geschoben. Der Patient ist dabei örtlich betäubt. Die Behandlung läuft für ihn weitgehend schmerzfrei ab. Anschließend verbringt er in der Regel die ersten Stunden nach dem Eingriff zur engmaschigen Überwachung auf der internistischen Intensivstation. Nach etwa vier Tagen kann er das Krankenhaus wieder verlassen.

Gesünder leben
Doch gesund ist der Patient damit nicht. Die koronare Herzkrankheit, die den Herzinfarkt verursacht, besteht fort und muss behandelt werden. Auch Martin M. weiß – nach einer Woche wieder erleichtert zuhause –, dass Reha-Maßnahmen sowie die Betreuung durch den Hausarzt und niedergelassenen Kardiologen notwendig sind. Er nimmt Medikamente zur Verhinderung einer erneuten
Gerinnselbildung, außerdem zur Cholesterin- und Blutdrucksenkung, „um seine Risikofaktoren in den Griff zu bekommen“, wie er sagt. Der selbstständige Bauingenieur will auch über seinen Lebensstil nachdenken, einiges verändern: Eine ausgewogenere Ernährung hat er sich vorgenommen, mehr Bewegung, den richtigen Umgang mit Stress im Alltag. Die Anschlussheilbehandlung, die er antritt, soll ihm dabei helfen.

Prof. Möllmann mahnt: „Dass die Krankheit fortbesteht, verdrängen viele Infarktpatienten, die sich aufgrund der erfolgreichen Stent-Behandlung in Sicherheit wiegen. Auch eine Reha wollen viele nicht.“ Im St.-Johannes-Hospital hilft der Sozialdienst den Betroffenen, eine geeignete Anschlussheilbehandlung einzuleiten.

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