Medizin - Artikel - Herzteam Dortmund am St.-Johannes-Hospital

Herzschrittmacher: Taktgeber für mehr Lebensqualität

Die Geräte werden immer kleiner

Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Es hält den gesamten Kreislauf in Gang, schlägt im Ruhezustand bei einem gesunden Erwachsenen zwischen 60 und 100 Mal pro Minute. Wird dieser Wert dauerhaft unterschritten, kann eine Herzrhythmusstörung vorliegen. Schwindelanfälle, Luftnot und gar Bewusstlosigkeit sind die Folgen. Vom Herzteam Dortmund werden die Patienten mit Herzrhythmusstörungen in der Klinik für Innere Medizin I und Kardiologie am St.-Johannes-Hospital optimal versorgt. Dabei ist in vielen Fällen ein Herzschrittmacher sinnvoll.

Die Ursachen für einen zu langsamen Herzschlag sind unterschiedlich: Im Alter kann es zu einer Degeneration des Reizbildungs- oder Reizleitungssystems im Herzen kommen. Aber auch Erkrankungen des Herzens oder die Einnahme bestimmter Medikamente können verantwortlich sein. Bei Patienten mit einer zu niedrigen Herzfrequenz verbessert das Einsetzen eines Herzschrittmachers die Lebensqualität deutlich. Das implantierte Gerät überwacht den Herzrhythmus und übernimmt die Funktion des Taktgebers, wenn die Herzfrequenz einen vorprogrammierten Wert unterschreitet. Dazu wird das Herz mithilfe von elektrischen Impulsen stimuliert und zum Schlagen angeregt.

Moderne Herzschrittmacher bestehen aus dem streichholzschachtelgroßen Aggregat, in dem sich die Batterie, der Impulsgenerator und die Steuerelektronik befinden, sowie aus ein bis drei angeschlossenen Elektroden. „Das Einsetzen eines Herzschrittmachers ist mittlerweile eine Routineoperation, die meist unter lokaler Betäubung erfolgt“, erklärt Prof. Dr. Helge Möllmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und einer der beiden Leiter des Herzteams Dortmund. Die Elektroden werden ins Herz geschoben und dort platziert, das Aggregat wird rechts- oder linksseitig im Bereich unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt. „Dabei bevorzugen wir die weniger beanspruchte Körperseite, das heißt bei Rechtshändern erfolgt der Eingriff in der Regel auf der linken Seite“, erläutert Prof. Möllmann.

Regelmäßiger Check
Eine regelmäßige Überprüfung des Herzschrittmachers ist wichtig, um ein einwandfreies Funktionieren zu gewährleisten. Die erste Kontrolle sollte etwa drei Monate nach der Operation stattfinden, wenn der Heilungsprozess abgeschlossen ist. Danach erfolgen in Abständen von sechs Monaten Nachsorgeuntersuchungen in der Regel durch niedergelassene Kardiologen. „Im Rahmen des Termins werden der Gesundheitszustand des Patienten und der technische Zustand des Implantats geprüft“, erläutert Dr. Iskandar Djajadisastra, Leiter des Rhythmus Zentrum Dortmund. „Bei dem unkomplizierten Verfahren kommt ein auf den jeweiligen
Herzschrittmacher zugeschnittenes Programmiergerät zum Einsatz. Mittels des Programmierkopfes, der über dem Implantat auf die Haut gelegt wird, können die Funktionen und der Ladezustand des Geräts überprüft, Daten ausgelesen und Einstellungen angepasst werden.“ Die Batterien moderner Herzschrittmacher halten je nach Beanspruchung fünf bis zehn Jahre. Bei einem Wechsel wird gleich das gesamte Aggregat ausgetauscht. Die Elektroden, die zum Herzen führen, werden nur in Ausnahmefällen erneuert.

Pioniere aus Schweden
Der erste Herzschrittmacher wurde im Oktober 1958 in Stockholm eingepflanzt. Seitdem wurden die Implantate kontinuierlich verbessert und dabei immer kleiner. „Neu sind sogenannte ‚elektrodenlose‘ implantierbare Herzschrittmacher. Dies sind etwa kapselgroße Geräte mit einem Durchmesser von circa einem halben Zentimeter und einer Länge von circa einem Zentimeter, die per Kathetereingriff direkt in der rechten Herzkammer implantiert werden“, berichtet Dr. Djajadisastra. „Sie besitzen
die kompletten Eigenschaften und die Funktionalität eines konventionellen Schrittmachers. Bisher gibt es diese Geräte aber nur als Einkammerschrittmacher, die lediglich für bestimmte Patienten geeignet sind.“

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